Mit dem Zug von Wien nach Opatija-Matulj

19. Dezember 2015 | Von | Kategorie: Die Reportage

Nicht alles was Nostalgie ist, ist ein Orientexpress
Eine Nostalgiezugreise im k.u.k-Ambiente mit dem „Majestic Imperator Train“ von Wien nach Kroatien.

Wer Nostalgie, Kulinarik und abwechslungsreiche Landschaften zusammen genießen möchte, der is(s)t im „Majestic Imperator Train“ richtig. Im Nachbau des ehemaligen k. u. k.-Hofzuges zuckeln Bahnliebhaber von Wien nach Opatija in Kroatien und lassen sich mit Speisen und Getränken stilvoll wie zu Kaisers Zeiten verwöhnen.

Rieck_und_LechnerWien-Meidling: Regelzug OEC 151 nach Ljubljana fährt ein. Direkt hinter die Lok des Zuges sind drei Sonderwaggons mit klangvollen Namen wie „Ambassador“, „Elisabeth“ und „Salon I“ gekoppelt. Trotz weniger Minuten Aufenthalt bleibt noch Zeit, den roten Teppich auf dem Bahnsteig auszurollen.

„100 Jahre nach dem Bau des Original-k. u. k.-Hofzuges wollte ich mir meinen Lebenstraum erfüllen und den Salonzug des österreichischen Kaiserpaares Franz-Joseph I. und Elisabeth („Sisi“) zu neuem Leben erwecken, um Menschen luxuriöses Reisen in alter Tradition mit dem Komfort von heute zu ermöglichen“, erzählt Zugbesitzer Gottfried Rieck. Er selbst war 25 Jahre als Heizer und Lokführer bei der Österreichischen Bundesbahn beschäftigt. Seit 1991 rollt der „Majestics“ nun schon mit fünf Abteil-, einem Salon- und einem Coupé-Wagen durch Europa. Von Wien nach Opatija immer im April und Oktober.
Gleich nach der Abfahrt aus Wien wird im Wagen „Elisabeth“ das Frühstück serviert. Der Waggon besteht aus vier Abteilen mit jeweils sechs plüschigen Sitzplätzen und einem Salon mit kleinen Esstischen für 24 Personen. Für den Genuss der exquisiten Zigarre gibt es immer noch ein Raucherabteil. Die Wände der Nostalgiewaggons sind mit Mahagoni vertäfelt. An den weißen Deckenrändern glänzt goldfarbener Stuck. Messingverzierte Wandleuchter und schwere blaugoldene Fenstervorhänge geben den Abteilen eine gediegene Atmosphäre. Blau war die Lieblingsfarbe der Kaiserin. „Salon I“ ist für diese Reise als Spielcasino eingerichtet. Am Black-Jack-Tisch können Spielsüchtige ganz ohne Geldeinsatz und nur zum Zeitvertreib eine abgewandelte Form von „17 und 4“ erlernen.

kulinarische_speisen_istrienNach dem Frühstück ändert sich die Landschaft. Die Wiener Vororte liegen schon weit zurück. Es wird hügeliger. Weiß bepuderte Berge erscheinen am Horizont. Der Zug legt sich immer häufiger in die Kurve. Zwischen den Orten Gloggnitz und Mürzzuschlag folgt der 41 Kilometer lange Abschnitt „Semmering“. Dieser Schienenweg wurde 1854 als erste normalspurige Gebirgsstrecke Europas in Betrieb genommen und somit eine durchgehende Verbindung von Wien nach Triest geschaffen. Im damals beginnenden Eisenbahnzeitalter galt es eine Höhendifferenz von 457 Meter zu überwinden. Der höchste Punkt liegt auf 896 Metern. Die Strecke, die 1998 als erste Bahnlinie in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde, umfasst 16 Viadukte, 15 Tunnel und 100 Bogenbrücken. Nur aus Steinen, ohne Stahl und Eisen errichtet.

Ab Ljubljana wird nicht nur die Landschaft, sondern auch die Speisenfolge mediterraner. Zur Einstimmung gibt es kroatische Spezialitäten: Paski Sir (Schafskäse) von der Insel Pag, Prsut (Schinken) aus Istrien und einen spritzigen Slahtina Wein, der auf der Insel Krk beheimatet ist.

Salon_ElisabethNach knapp zehn Stunden fährt der Zug in Opatija-Matulji ein. „Der Grundstein des österreichisch-ungarischen Riviera-Tourismus wurde 1844 gelegt, als der Kaufmann Igino Scarpa eine schmucklose Villa im damaligen Abbazia (heute Opatija) erwarb und in ein komfortables Sommerhaus namens Villa Angiolina umbaute“, erklärt Stadtführerin Larvina: „Schon wenig später entstanden weitere prachtvolle Villen und Hotels. Eine Zuganbindung wurde 1873 kurzer Hand von Triest nach Fiume (heute Rijeka) durch den damaligen Generaldirektor der Südbahngesellschaft, Friedrich Schüller, verlängert. Damit war vor mehr als einhundert Jahren der Ort touristisch für die Obergesellschaft erschlossen“, so Larvina. Wie zu Kaisers Zeiten flanieren Besucher auf dem zwölf Kilometer langen „Lungomare“, der seit 1996 auch den Namen „Kaiser-Franz-Joseph-Promenade“ trägt. Einst lustwandelten und kurten in Opatija Fürsten und Könige, Industrielle, Dichter und Maler. Heute bieten die zahlreichen Hotels und restaurierte Villen Wellness gegen jedwedes Leiden statt Kuren an.

Kaiser_Franz-Joseph_PromenadeDie Promenade beginnt am Hafen von Volosko und endet in Lovran, einem 3.200-Einwohner-Städtchen, das zu den ältesten Siedlungen der Riviera zählt. In Opatija führt der Weg durch den Park Angiolina unweit der gleichnamigen Villa. „Seit 1885 wachsen hier mehr als 150 Pflanzen aus aller Welt, die zum Teil Seeleute von ihren Reisen mitbrachten – Mammutbäume, kaukasische Tannen, schwarzer Bambus und japanische Bananen“, berichtet Larvina: „Die 150 Jahre alte Kamelie, die ein Jesuitenmönch nach Europa brachte, ist heute das Wahrzeichen der Stadt.“

Nach vier Tagen fährt der „Majestics“ am späten Vormittag wieder in den kleinen Bahnhof Opatija-Matulji ein. Im Salon „Elisabeth“ ist für das zweite Frühstück gedeckt. Die Rückreise nach Wien beginnt wie die Hinfahrt – stilvoll und nostalgisch.

Diese Reise wurde von Majestic Train de Luxe GmbH  und HOTEL MIRAMAR  / Kroatien unterstützt

Informationen

Weitere Sonderfahrten durch Europa buchbar bei

Majestic Imperator Train de Luxe Charter GmbH
http://www.majestic-train.com

© Axel Baumann (Text, Fotos)

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Ein Kommentar auf "Mit dem Zug von Wien nach Opatija-Matulj"

  1. Das hört sich ja nach einer entspannt-luxeriösen Reise nach Koratien an. Ich mag es, wenn sich die Landschaft langsam während der Bahnfahrt verändert. In Mitteleuropa haben wir ja sehr viele tolle Eindrücke auf engstem Raum. Und wenn man sich’s dann noch in besonderem Ambiente während der Reise gut gehen lassen kann ist das besonders fein. 🙂

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