Der Panoramaweg – Erzbahn-Emscherbruch

21. Januar 2014 | Von | Kategorie: Deutschland, Die Reportage, Stilllegung

Wo einst Dampfrösser ihre Kraft ausspielen konnten muss heute die Muskelkraft ausreichen

Zugegeben, passionierte Dampflokromantiker blicken hier etwas wehmütig zurück. Erinnern sich an bessere Tage, als auf der ehemaligen Trasse der „Erzbahn Emscherbruch“ noch die schweren, mit Erz beladenen Güterzüge von schnaufenden Dampflokomotiven vom Hafen Grimberg in Gelsenkirchen am Rhein-Herne-Kanal nach Bochum zu den Hochöfen des „Bochumer Vereins gefahren sind. Gerade mal gut zehn Kilometer lang war dieser Schienenweg. Doch eine bedeutende Magistrale im Revier, wenn es um den Transport von Erz, Kohle, und Eisen ging. Wer weiß, wäre die Strecke in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht stillgelegt worden, sie wäre vielleicht ein Dorado für Trainspotter geworden –  wenn der Strukturwandel dem keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Die Erzbahnschwinge

Die Erzbahnschwinge

Und doch, gerade dieser Strukturwandel war es letztendlich, der den Dornröschenschlaf dieses Erlebnispfades beendete und ihm zu einer neuen attraktiven Nutzung verhalf. Recht prosaisch klingt der neue Name: „Themenroute Nr. 8“. Trotz aller Sachlichkeit – bei Kennern gilt sie als eine der schönsten Themenrouten im Ruhrgebiet. Der Panoramaweg „Erzbahn-Emscherbruch“ ist heute ein wichtiger Bestandteil auf der „Route der Industriekultur“. Erst recht seit vor wenigen Jahren die Grimbergbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal den südlichen und nördlichen Teil wieder miteinander wieder verbunden hat. Mit diesem Lückenschluss können heute wieder Spaziergänger wie Radfahrer ohne nasse Füße problemlos von der Bochumer Jahrhunderthalle bis zum Emscherbruch, den Bergehalden im Süden zwischen Herten und Recklinghausen kommen.

Erzbahnschwinge_schild

Eine stilechte Anreise erfolgt natürlich per Bahn: per „Glückaufbahn“ (Regiobahn 46), die werktags im 30-Minuten-Takt zwischen Gelsenkirchen und Bochum pendelt. Am Rande der Bochumer Innenstadt, und nur wenige Minuten von der Haltestelle „Bochum West“ entfernt, kann die Zeitreise in die industrielle Vergangenheit des Reviers beginnen. Lediglich die Jahrhunderthalle versperrt noch den Blick auf den Startpunkt der Route. Wer will, kann im Park hinter der imposanten Stätte noch eine kurze Verschnaufpause einlegen und einen ganz besonderen Ausblick auf die erste Brücke genießen. Elegant windet sich die 130 Meter lange „Erzbahnschwinge“ über das Meer an Gleisanlagen. Auch heute noch lässt sich an zahlreichen Stellen erahnen, wie unübersichtlich – zumindest für Außenstehende – die konkurrierenden Köln-Mindener-Eisenbahn, die Märkische Eisenbahn und die Rheinische Eisenbahn hier ihre Eisenbahnnetze geknüpft haben. Der gut 15 Meter hohe Bahndamm gewährt Einblicke auf die Bochumer Hinterhöfe. Auf der einen Seite die schmucke Kleingartensiedlung, auf der anderen der gelebte Strukturwandel.

Rund um die Jahrhunderthalle in Bochum

Rund um die Jahrhunderthalle in Bochum

Gerade diese geschichtlichen Hintergründe sind wie das Salz in der Suppe. Zahlreiche Stellwände mit Informationen zur Historie illustrieren das Leben und Arbeiten entlang der Route. Doch nicht nur links und rechts des Weges warten Überraschungen auf die Ausflügler. Spektakulär ist die „Brücke auf Stelzen“: neun Meter hoch und 265 Meter lang im Städtedreieck Herne, Bochum und Gelsenkirchen gelegen.

die Erzbahnschwinge_01

Am Hafen Grimberg muss sich der Radler allerdings entscheiden: ein Abstecher zur „Zoom Erlebniswelt“ oder die Weiterfahrt in den namensgebenden Emscherbruch, wo die Halden Hoppenbruch und Hoheward warten. Wohl dem der ein Mountainbike sein eigen nennen kann. Wo sonst auf dieser Tour lassen sich sonst noch die 21 Gänge einmal komplett ausfahren?

Informationen
Für die „Themenroute Nr. 8“ ist die Homepage der Route der Industriekultur (www.route-industriekultur.de) eine gute Anlaufstelle für Informationen. Ebenso Wikipedia – hier steht allerlei Wissenswertes über die Entstehungsgeschichte der Güterbahn http://de.wikipedia.org/wiki/Erzbahn_%28Bochum%29

Auch die Stadt Bochum bietet in ihrem Informationszentrum Süd (im Bürgerbüro Rathaus am Willi-Brandt-Platz) Daten an. Postanschrift 44777: Bochum, Telefon 0234/9103978, Fax 0234/9104072, E-Mail: buergerbuero@bochum.de, Internet: www.bochum.de

Auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Ewald

Auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Ewald

Tipp: Im Internet ist auf der Homepage des Regionalverbands Ruhrgebiet unter http://shop.rvr-online.de eine Broschüre mit dem Titel „Erzbahn Emscherbruch“ zu bestellen, ebenso unter Telefon 0180/400086. Auf rund 100 Seiten enthält sie Kartenausschnitte zu allen Standorten.

Trotz aller Wehmut, einen großen Vorteil haben die neuen Radwege auf alten Bahntrassen. Die Steigungen erinnern noch heute an die Leistungen der Dampflokomotiven. Entsprechend „flach“ geht es hinauf und wieder hinunter. Wer Blut geleckt hat und diese Vorzüge auch anderenorts ausprobieren will. Der sollte auf die Homepage von Dr. Achim Bartoschek schauen. Unter http://www.bahntrassenradeln.de/ hat er – nach Bundesländern sortiert – stillgelegte Bahnstrecken recherchiert und Informationen für interessierte Radwanderer zusammengestellt.

© Helge Holz (Text, Fotos)

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